Multifunktionssignal "Schnuppern"
Schnee ist die Gelegenheit ein wirklich praktisches Signal mit deinem Hund zu üben!
Ok es geht auch ohne Schnee, der macht es nur leichter, aber wovon rede ich eigentlich?
Bei mir heißt das Signal „schnüffeln“.
Klingt unspektakulärer als es ist.
Das Signal „schnüffeln“ kann einem unsicheren Hund helfen, sicherer zu werden.
Es kann einem Hund mit Artgenossenproblematik helfen, in Begegnungssituationen wieder entspannter zu werden.
Und es hilft dir, die Aufmerksamkeit deines Hundes zu bekommen, wenn du sie möchtest.
Und so funktioniert das Signal und deren Wirkung:
Wenn es aufgebaut ist, wird dein Hund wissen, wenn du es sagst, gibt es in seiner Nähe oder an dem Punkt auf den du deutest, etwas für ihn interessantes zu riechen. Kein Leckerchen zum Suchen,
sondern ein Geruch der intrinsisch für ihn interessant ist. Eine Markierungsstelle von anderen Hunden oder eine Hinterlassenschaft von einem Wildtier zum Beispiel.
Wenn für einen unsicheren Hund etwas kommt, was bedrohlich wirkt, oder wegen Geräuschen z.B. seine Unsicherheit wächst, hilft das Konzentrieren auf Dinge, die spannend sind und sich gut anfühlen. Ein
wichtiger Geruch ist da ganz weit vorne. Außerdem bewirkt das Abwenden zum Schnuppern, oft dass Hunde merken, dass das vermeintlich gruselige einfach weiter geht oder verschwindet, selbst wenn sie es
nicht anbellen oder anstarren.
Am Anfang wird ein Hund, der gerade in Unsicherheiten verfällt, nicht selbst auf die Idee kommen sich so zu helfen.
Durch das geübte Signal, kann er aber dazu motiviert werden, dadurch lernt sein Nervensystem, dass es ihm hilft und er wird es nach und nach selber einsetzen. Diese Form von Selbsthilfe stärkt die
Selbstwirksamkeit und das ist ein wirklich mächtiges Mittel gegen Unsicherheiten.
Natürlich kann ein Signal allein keine Unsicherheit beim Hund komplett lösen, es ist ein nützlicher Baustein, der ohne viel Aufwand eingesetzt werden kann.
Das Abwenden und vermeintlich interessante Gerüche aufnehmen ist außerdem in der innerhundlichen Kommunikation ein Mittel um zu sagen „Ich
hab dich bemerkt, ich will aber nichts von dir.“ Einen Hund mit Begegnungsproblematik darin zu unterstützen dieses Verhalten zu zeigen, zieht, ähnlich wie auch bei Unsicherheiten, meist nach sich,
dass die Hunde merken, dass andere Hunde sie in Ruhe lassen, auch wenn sie nicht bellen oder sie vertreiben wollen.
Das Hundehirn bekommt wieder Handlungsoptionen und die Handlungsunfähigkeit, die sich größtenteils in Anstarren und nicht lösen können äußert, wird weniger.
Außerdem kann so das Nachschnuppern bzw. direkte Beschnuppern von Urinspuren, die der andere Hund hinterlassen hat, das Bedürfnis nach Informationen stillen und damit auch zur Sicherheit in der
Begegnungssituation beitragen.
Wenn Hunde im Konflikt stehen, dass sie Informationen über den anderen Hund haben wollen, aber mit dessen Aufmerksamkeit dann überfordert wären. Dann hilft es, dem Hund beizubringen, dass er die
Informationen auch über das „Schnuppern“ bekommen kann, sobald der andere Hund etwas weiter gegangen ist.
Auch hier entsteht wieder ein Handlungsplan; 'Ich warte ab bis der andere vorüber ist, dann hole ich mir meine Informationen.' welcher hilft gute Entscheidungen in der eigentlichen
Begegnungssituationen zu treffen.
Nicht vergessen; es ist natürlich ein Baustein. Das Signal allein wird deinem Hund vermutlich nicht ausreichen, um seine Problematik zu lösen. Doch es ist dennoch nicht zu unterschätzen, welchen
positiven Effekt es haben kann.
Wenn du deinem Hund regelmäßig etwas zeigst, das für ihn wichtig ist, wenn du ihn ansprichst, dann wird sich seine Reaktion auf dein Ansprechen drastisch verbessern.
Leckerchen, Spielzeug und unsere Zuwendung sind natürlich für viele Hunde etwas Großartiges und gute Belohnungen, dennoch sind es alles Dinge „unserer Welt“ also etwas zur Interaktion von Mensch und
Hund oder etwas was direkt vom Menschen kommt.
Gerüche, ob Wild, oder von anderen Hunden sind meist etwas rein hündisches, wir können sie ja nicht so wahrnehmen.
Das führt mitunter auch dazu, dass wir unseren Hund gerade bei dieser Handlung, etwas intensiv zu riechen, vielleicht schneller unterbrechen oder es mal gar nicht so zulassen, wie es Hunde gern
hätten.
Natürlich nicht immer.
Oft sprechen wir unseren Hund auch vermehrt dann an, wenn wir etwas von ihm wollen, er also irgendwas tun soll. Unsere Ansprache wird also vermehrt zur Ankündigung etwas für uns tun zu
„müssen“.
Wenn es jetzt regelmäßig passiert, das er von uns, nach dem Ansprechen, Stellen gezeigt bekommt, die für ihn, einfach ganz natürlich wichtig sind, dann kann das sehr helfen das unsere Ansprache in
seinem Hundehirn als sehr viel wichtiger und wertvoller priorisier wird. Und somit auch in schwierigeren Situationen besser funktioniert.
Praktisch hierbei ist auch, dass wir dafür nichts mitnehmen müssen und das auch funktioniert bei Hunden, die sich mit dem, was sie als Belohnung empfinden, schwertun.
Ich bin absolut kein Gegner von Futterbelohnungen, natürlich würde vieles von dem oben geschriebenen auch funktionieren, wenn man z.B. Leckerchen streut und den Hund suchen schickt. Es gibt aber auch
Hunde die, wie oben erwähnt, sich nicht so sehr für Futter interessieren. Sich für interessante Gerüche wie Markierungsstellen interessieren sich so gut wie alle Hunde ab einem bestimmten
Alter.
Und diese Stellen sind einfach überall da (ich lebe in einer Großstadt, im Wald kann das anders aussehen), der Hund kann in schwierigen Situationen selbstständig darauf zugreifen, wenn die Idee in
seinem Kopf sich als nützlich erwiesen hat und ist nicht darauf angewiesen das wir Leckerchen streuen.
Ich bin eine große Freundin von Selbstwirksamkeit und deshalb gefällt mir dieses Signal so gut.
Der Aufbau ist recht simpel, immer wenn dein Hund intensiv irgendwo schnuppert, also eher stehend, als laufend, dann sagst du dein Signal dazu. Ich nenne es „Schnuppern“ aber letztlich kannst du es
nennen wie du möchtest.
Wenn du dass so vier Wochen durchgezogen hast, dann kannst du an Stellen, die sehr wahrscheinlich interessant sind, es mal ausprobieren, darauf zeigen und das Signal geben. Die Wahrscheinlichkeit ist
hoch, dass dein Hund versteht, zu dir kommt und dort beginnt seine Nase zu nutzen. Ist es dann auch noch etwas, was wirklich interessant ist, dann ist der wichtigste Schritt gegangen, dann heißt es,
wie so oft: dranbleiben!
Der Vorteil am Schnee ist, dass du sehr viel besser siehst, wo gute Stellen sein könnten, auch Pfotenabdrücke von Hunden, Katzen oder
Wildtieren z.B., die du für den Signalaufbau oder die Signalnutzung verwenden kannst!
Ohne Schnee lohnt es sich zu schauen, wo schnuppert dein Hund so ganz gern, siehst du warum? Gibt es andere Stellen, die ähnlich aussehen?